Alternative Projekte – Bio bringt`s

Heute ein kurzer Hinweis auf das Bio bringt`s – Team von Jens Thieme aus Stadthagen. Es gibt ein umfangreiches Basisangebot von Bioprodukten, nicht nur Obst und Gemüse sondern alle Bioprodukte von A wie Apfelsaft über B wie Brotaufstriche, Kosmetik und vegane Spezialitäten bis Z wie Zimtstangen. Frischfleisch kann vorbestellt werden, auch Saatgut ist lieferbar.

Die Lieferanten kommen aus dem Landkreis und der näheren Umgebung. Haus- und Hoflieferantin ist die Bioland-Gärtnerei von Ute Strakerjahn, die in unmittelbarer Nähe von Bio bringt`s beheimatet ist. Waren, die nicht vor Ort angebaut werden, liefert ein Großhändler.

Jens Thieme schreibt auf der website www.bio-bringts.de, dass er schlicht dazu beitragen möchte, die Welt noch zu retten. Sein Anliegen ist die Verwirklichung der Erd-Charta der Ökumenischen Initiative Eine Welt e.V. vor, in der Achtung vor dem Leben und Sorge für die Gemeinschaft des Lebens gefordert wird.

Das Büro von Bio bringt`s ist in der Regel von Montag bis Freitag von 8 – 12 Uhr besetzt, Telefon 05721 – 927 001. Geliefert wird wöchentlich im ganzen Landkreis und darüber hinaus bis Minden, Hannover und Springe.

Obst verbindet – Retterkisten-Aktion

Krumme Gurken, Äpfel und Orangen mit kleinen Schönheitsfehlern und vieles mehr landete bislang nicht im Supermarkt sondern im Müll. Das betrifft ungefähr ein Drittel vom angebauten Obst und Gemüse! Dieser Verschwendung muss ein Ende gesetzt werden, beschlossen die Gründer des Unternehmens „we fresh“.

Mittlerweile gibt es auch bei uns im Landkreis Schaumburg Verteilerstationen von geretteten Obst- und Gemüsekisten, in Stadthagen, Rinteln, Auhagen und Obernkirchen. Ich staunte, als ich meine erste 5kg- Single-Kiste für 8,50 Euro abholte. In der Kiste fand ich: 2 große Äpfel, 2 große Birnen, 2 große Paprika, 5 Kiwis, 9 Mandarinen, 1 Schale Erdbeeren, 4 krumme Gurken, 2 kleine Salate, 2 Zitronen, 1 Avocado, 1 Chicoree, 2 große Möhren und eine Schale Cocktailtomaten.

Für mich ist es jedes Mal wieder eine Überraschung, zu sehen, was ich diesmal in der Kiste vorfinde. Da ist Flexibilität gefragt, auch Gemüse oder Obst, was sonst nicht auf dem Speisezettel steht, kann darunter sein. Es gibt auch die Möglichkeit, Biokisten zu bestellen oder ganz individuell Gemüse und Obst auszusuchen, das kostet natürlich mehr. Schau doch selber einmal unter „we fresh“ im Internet nach, was es für Angebote gibt und ob ein Verteilerstandort in deiner Nähe ist!

Gemeinwohl-Ökonomie

Was bedeutet heutzutage „alternativ“? Welche Projekte können zur Veränderung einer Wirtschafts- und Lebensweise beitragen, die die Welt in den Ruin führt?

Auf der Suche nach einer Antwort stieß ich auf die „Gemeinwohl-Ökonomie-Bewegung“. Anstoß für diese weltweit wachsende Bewegung gab ein Buch von Christian Felber über Gemeinwohl-Ökonomie, das 2010 erschien.

Die zugehörigen Unternehmen setzen sich aktiv für ein Wirtschaftssystem ein, das nicht auf Gewinnmaximierung sondern am Gemeinwohl ausgerichtet ist. In einer Gemeinwohl-Bilanz wird anhand differenzierter Kriterien evaluiert, wie in den verschiedenen Bereichen (Eigentümer und Finanzpartner, Lieferanten etc.) Menschenwürde, Nachhaltigkeit, Transparenz, Gerechtigkeit, Mitentscheidung und weitere Merkmale im Unternehmen umgesetzt werden.

Über 500 Firmen, Start-ups, Gesundheitseinrichtungen und Hochschulen in Deutschland, Österreich, der Schweiz und Südtirol haben sich bereits der Gemeinwohl-Ökonomie verpflichtet. Darunter sind auch größere Unternehmen wie Sonnentor (Biotees, Kräuter und Gewürze), Vaude (Outdoor-Ausrüstung), die Hochschule Bremen und die Sparda-Bank München.

Auch Städte schließen sich der Bewegung an, unter anderen Wien, Mannheim, Stuttgart und Münster. In Höxter/Ostwestfalen soll die erste Gemeinwohl-Region in Deutschland entstehen. Sind das nicht Lichtblicke am Horizont in einer Corona gebeutelten Zeit?!

Alternative Projekte 10: Wohnprojekt 50+

Die Zeiten der großen Land-WGs aus den 80er Jahren sind vorbei, zumindest bei uns im Schaumburger Land. Aber neue Formen von Zusammenleben und Gemeinschaft entwickeln sich!

Gemeinschaftlich, selbstbestimmt, zentrumsnah und umweltbewusst – das ist das Motto des Wohnprojekts „Zeitlos – Wohnen und Leben im Quartier“. In der ersten Jahreshälfte 2023 soll der Gebäudekomplex in der Lauenhäger Straße 1 in Stadthagen stehen.

Nicht nur auf der Informationsseite des Projekts steht „gemeinschaftlich“ an erster Stelle. Auch bei den Mitwirkenden hat dieser Aspekt einen hohen Stellenwert. „Die Menschen, mit denen ich dort wohnen werde, sind nicht anonym,“ erzählt Ursula T., „es gibt gemeinsame Interessen, wir können gemeinsame Zeit verbringen, man kann sich untereinander helfen, wenn`s gewünscht wird. Das Schöne daran ist, dass alles freiwillig ist, ohne jeden Zwang.“

Auch die stadtnahe Lage ist ein großer Pluspunkt des Projekts. Cafés und Restaurants am Marktplatz, ein Supermarkt und Bioladen, Sparkasse, Bücherei und Kulturzentrum, alles ist fußläufig gut zu erreichen.

Für eine ausgewogene Mischung von Nähe und Distanz ist bei der Planung gesorgt. Es sollen 21 Wohnungen zwischen 60 und 100 qm für Singles und Paare ab 50 entstehen, wobei auch das gemeinsame Wohnen mit einem jüngeren Lebenspartner möglich ist.

Außerdem wird ein Gemeinschaftsraum mit Terrasse für Aktivitäten der Bewohner/innen und Gäste sowie ein Gästezimmer gebaut. In dem großen Garten können eine Boulebahn, Grillplatz, Sitzecken und vieles mehr verwirklicht werden. Ein Großteil der Wärmeenergie soll übrigens über Erdwärme erzeugt werden, der Bau einer Photovoltaikanlage wird geprüft.

Das Wohnprojekt ist als Genossenschaft gegründet. Grundidee dieser demokratischen Organisationsform sind Selbsthilfe, Solidarität und Selbstverantwortung. Die Mitglieder treffen sich jeweils am ersten Donnerstag im Monat im Kultur- und Kommunikationszentrum „Alte Polizei“ in Stadthagen. Wer Interesse an dem Projekt hat, kann dort bereits ab 18 Uhr einige der „Zeitlosen“ treffen und vorab Informationen einholen, Anmeldung bei Perdita Berg unter berg@zeitlos-wohnen-stadthagen.de. Im Internet findet man Auskunft unter www.zeitlos-wohnen-stadthagen.

Alternative Projekte 9: Projekte der Schaumburger Frauenbewegung

Frauenzentrum, Frauencafé, Notruf für Frauen, Frauenhaus, Frauenbeauftragte, BASTA

Am Anfang war die Frauenbewegung, die von den Städten aufs Land überschwappte. Doris kam 1983 aus Hamburg nach Stadthagen – und war entsetzt über die Situation von Frauen in der Provinz. Über den Secondhand-Laden „Kunterbunt“, in dem auch Frauenliteratur verkauft wurde, und über VHS-Kurse fanden sich Frauen zusammen und gründeten erste Frauengruppen, farbenfrohe, ausgelassene Feste zum Internationalen Frauentag am 8. März wurden gefeiert, es herrschte Aufbruchstimmung.

1984 riefen Teilnehmerinnen eines Theaterseminars (Leitung: Ulli Domnich) zum Thema „Gewalt gegen Frauen“ eine Notrufgruppe ins Leben, 1985 etablierten Frauen einen eigenen Raum nur für Frauen: das Frauenzentrum in der Windmühlenstraße in Stadthagen mit dem wöchentlichen Frauencafé (Seele des Cafés waren Gisela Glatzel und Dagmar Sever), der Notrufgruppe, verschiedenen Frauengruppen und Veranstaltungen.

Ehrenamtlich war die Notrufberatung bald nicht mehr zu schaffen, und mit Unterstützung einer ABM-Stelle des Arbeitsamts konnte 1985 eine erste Stelle für die Beratung von Frauen in Gewalt- und Krisensituationen geschaffen werden (Cornelia Künzel).

In den folgenden Jahren entstanden weitere Institutionen zum Empowerment von Frauen: 1987 wurde ein Frauenhaus eröffnet und eine Kreisfrauenbeauftragte eingestellt, 1988 die erste Stelle zum Thema „Sexueller Missbrauch“ im Frauenzentrum gefördert (Gisa Meier).

Inzwischen sind Frauenhaus, Frauenbeauftragte und Mädchen- und Frauenberatung aus dem Landkreis nicht mehr wegzudenken. BASTA ist der Name des Beratungsvereins – ein Name, der für sich spricht (längste Mitarbeiterin: Inge Wehking).

Etliche neue Aufgabenfelder haben die Mitarbeiterinnen von BASTA zu bewältigen; Mobbing in (un-)sozialen Netzwerken, Präventionsarbeit in Schulen und Kindergärten, Beratung bei Essstörungen und vieles mehr. Verbal anerkannt ist die Notwendigkeit inzwischen von allen Seiten. Ein leidiges Thema allerdings, das sich seit Beginn der Arbeit in den 80ern bis heute durchzieht, sind Auseinandersetzungen mit Bund, Land, Landkreis, Städten und Gemeinden um ausreichende Finanzierung. Unser Motto, damals wie heute: Never give up!

Alternative Projekte 8: Der Heilpraktiker Thorsten Müller aus Lauenau

Wie viele andere wurde Thorsten Müller durch Beschwerden, die schulmedizinisch nicht geheilt werden konnten, auf die Naturheilkunde aufmerksam. Neben seiner Tätigkeit als Industriekaufmann machte er eine Ausbildung zum Heilpraktiker und begann vor zwanzig Jahren in Hannover in einer Praxis zu arbeiten.

Thorsten Müller wandte zunächst vor allem manuelle Therapien wie Osteopathie an, arbeitete mit Geräten, wie zum Beispiel Magnetfeld- und Ozongeräten, mit Akupunktur und Komplexhomöopathie. Ein Schwerpunkt war damals wie heute die Wirbelsäulen- und Gelenktherapie. Bei der Behandlung seiner Patient/innen musste er jedoch im Laufe der Zeit feststellen, dass mit den ihm bekannten Verfahren nicht alle gesundheitlichen Probleme gelöst werden konnten.

Immer auf der Suche nach besseren Möglichkeiten nahm er an einem Vortrag und Workshop von Horst Krohne teil, der geistiges Heilen praktiziert. Schon bei der ersten Meditation spürte Thorsten Müller eine intensive Heilwirkung am eigenen Körper. Er lernte weiter bei anderen Lehrern und entwickelte aufgrund dieser Erfahrungen seine eigene Methode. „Am nächsten kommt meiner Arbeit die von Joel S. Goldsmith“, erklärte er. „Es geht um die Wahrnehmung des göttlichen Kerns in jedem Menschen.“

Thorsten Müller fing an, mit geistigem Heilen zu arbeiten – und hatte sofort bahnbrechende Erfolge bei Allergien. Er leitet die Heilsitzungen mit einem stillen Gebet für den Patienten ein und wirkt dann als Kanal in einem hoch schwingenden Energiefeld. Der entstehende Energiefluss wird – mit oder ohne Berührung – auf den Patienten übertragen und dessen Selbstheilungskräfte werden aktiviert. Eine Wirkung kann im körperlichen und seelischen Bereich einsetzen.

Nach wie vor ist ein Schwerpunkt des Heilpraktikers die Behandlung von Wirbelsäule und Gelenken, Beckenschiefstand und Beinlängendifferenz. Nicht selten lösen sich dabei auch andere Beschwerden wie zum Beispiel Kopfschmerzen, Augenprobleme, Brustenge, Verdauungsstörungen, Energielosigkeit und Allergien. Neben den persönlichen Sitzungen bietet er Heilmeditationen und Fernbehandlungen an.

Durch Kontakte zu Geomantinnen ist Thorsten Müller eingebunden in ein Netz von Menschen, die alle auf ihre Art und in ihrem Bereich neue Wege beschreiten.

Alternative Projekte 7: Naturkostladen Gänseblümchen in Bad Nenndorf

Mitte der 80er, mit dem ersten Kind von Sabine Erdmenger, geht die Geschichte los, die schließlich zur Übernahme des Naturkostladens Gänseblümchen in Bad Nenndorf in der Bahnhofstraße führte. Die aufmerksame Mutter beobachtete, dass ihr Stillkind immer schrie, wenn sie Kuchen gegessen hatte. Wie der Zufall es will, bekam sie ein Buch von Bruker in die Hand und stellte radikal ihre Ernährung um. „Zucker, Weißmehl, alles landete in der Tonne,“ erzählt die Geschäftsinhaberin.

„Und wir wuchsen als die Ökokids auf,“ berichtet ihre Tochter Lisa, die seit sechs Jahren voll mit im Laden arbeitet. „Wenn ich auf einem Geburtstag eingeladen war, gab mir meine Mutter Caropsirup-Lutscher oder selbstgebackenen Kuchen mit, so dass ich nicht auf Süßes verzichten musste.“

In dem Anfang der 90er Jahren gegründeten Bioladen arbeitete Sabine Erdmenger ab 2002. „Und 2005 habe ich den Laden übernommen,“ sagt sie und fügt lachend hinzu. „In einem Anfall von Wahnsinn!“. Denn das Anfangsjahr war unglaublich schwer.

Doch schon im nächsten Jahr hatte sich der Umsatz verdreifacht, das 45 qm Geschäft wurde zu eng („Drei Rollis, dann war es voll“), und sie schaute sich nach einem größeren Laden um.

Auch in den ersten Jahre im jetzigen Gänseblümchen in der Erlengrundstraße hatte Sabine Erdmenger viele schlaflose Nächte, denn der Personalbedarf war erheblich größer als ursprünglich berechnet. Zum Glück konnte sich die Geschäftsfrau immer auf ihre Familie verlassen, und ihre Kinder sprangen ein, wenn es nötig war. „Wir sind ein Familienunternehmen,“ sagt sie, „und wir sind überzeugt von dem, was wir tun, das springt über.“ Nette Kunden, auf die Verlass ist, gute Kontakte zu Direktlieferanten, die ehrlich über den Zustand der Ware Auskunft geben, das muntert sie an einem 12, 13-Stundentag immer wieder auf.

Zum Abschluss unseres Gesprächs werfen wir noch einen Blick auf die anderen Bioläden, die es mittlerweile im Landkreis Schaumburg gibt. Seit den 80er Jahren hat sich viel getan: da ist das Urgestein der Bioszene, Rudi im Mittelbrink, der Bioladen Immergrün in Lauenau, Ulrike Tatge in Stadthagen, Hella Kleinsiek mit Querbeet in Rinteln und der Bioladen in Bückeburg. Hinter jedem Laden steckt eine Geschichte und viel Engagement. Wir sind uns einig, dass Gespräche und Vernetzung weiterhin wichtig sind, damit eine Lebensweise in Übereinstimmung mit der Natur immer größere Kreise zieht.

 

 

Alternative Projekte 6: Weltläden im Landkreis Schaumburg

Seit über 30 Jahren gibt es Weltläden im Landkreis. 1987 wurde ein Laden in Stadthagen von Jugendlichen gemeinsam mit dem Landesjugendpfarrer gegründet, der sich heute in der Alten Lateinschule hinter der Martinikirche befindet. 1991 ging es auch in Rinteln mit einem Stand auf dem Wochenmarkt los, inzwischen ist der Laden in der Haupteinkaufsstraße, der Klosterstraße. Damals hieß es noch „3.Weltläden“, doch dieser Begriff wurde aufgegeben, da das Ziel der Projekte ja eine gleichberechtigte Partnerschaft zwischen Ländern des Nordens und des Südens ist.

Im Laufe der Jahre haben Hunderte von Ehrenamtlichen den Verkauf fair gehandelter Produkte ermöglicht, die inzwischen auch in vielen Supermärkten zu finden sind. Dort jedoch ohne die Beratung und Atmosphäre, wie sie nur im Weltladen zu finden ist. Für die Freiwilligen ist die Mitarbeit eine Möglichkeit, spannende Informationen über die Lebens- und Arbeitsbedingungen in unserer globalisierten Welt zu erhalten, Teil eines netten Teams zu sein und Kontakte mit den Kund*innen zu pflegen.

Der faire Standard der Produkte wird durch die Konvention der Weltläden und deren Kontrolle durch den Weltladendachverband aufrechterhalten. Zu den Grundkriterien gehören faire Arbeitsbedingungen und Handelspraktiken, Transparenz, Umweltschutz sowie Bildungs-, Informations- und Öffentlichkeitsarbeit. Die Produzent*innen erhalten Abnahmegarantien und höhere Preise als im konventionellen Handel üblich, wodurch zum Beispiel der Bau von Schulen oder Krankenstationen ermöglicht wird.

Wer mehr wissen möchte oder überlegt, sich in einem Weltladenteam zu engagieren, schaue doch mal auf die Websites der Weltläden, z.B. unter Weltladen Stadthagen.de.

P.S. An den Samstagen im August organisiert der Integrationsbeirat Stadthagen eine Sammlung für die vom Hochwasser betroffenen Weltläden auf dem Wochenmarkt in Stadthagen!

Alternative Projekte 5: nebenan.de

Durch meine Kinder bin ich auf nebenan.de aufmerksam geworden. Sie sind gerade umgezogen und haben durch nebenan.de sofort Kontakte und Unterstützung in der neuen Nachbarschaft gefunden.

Nebenan.de funktioniert so: man meldet sich mit richtigem Namen und Adresse an, beides wird verifiziert. Die Daten sind nur für andere angemeldete Teilnehmer*innen in der Nachbarschaft sichtbar, nicht für Suchmaschinen oder sonstige Datenfresser. Bei der Registrierung gibt man Interessen, Angebote und Gesuche an. Und nach der Verifizierung kann es losgehen mit dem Austausch.

Nebenan.de wurde 2015 von einem Gründer*innenteam in Berlin aufgebaut und wird inzwischen von über 1,5 Millionen Menschen genutzt. Finanziert wird es durch lokale Werbung, freiwillige Beiträge und Gebühren für Organisationsprofile (auch gemeinnützige Organisationen zum Beispiel können mitmachen). Ich finde, das ist eine supergute Idee und habe mich gerade angemeldet!

Alternative Projekte 4: Sandra Walschek, die Töpferin aus dem Auetal

Die zierliche Frau, mit der ich in der Sonne neben ihrem Hof im Auetal sitze, hat viel ausprobiert in ihrem Leben. Zuletzt war sie zehn Jahre als Journalistin tätig. „Und dann war es für mich an der Zeit, vom Kopf in die Hände zu kommen,“ erzählt sie.

Seitdem arbeitet Sandra Walschek mit Ton und stellt Schalen, Teller, Tassen und andere Gebrauchsgegenstände her. „Töpfern ist etwas ganz Urtümliches,“ sagt sie, „es verbindet mit den vier Elementen. Der Ton ist Erde, Wasser braucht man zum Formen, Luft zum Trocknen und Feuer zum Brennen.“

Am Anfang war die größte Hürde für die begeisterte Töpferin, dass sie keinen Brennofen hatte. Doch bald kam eine Möglichkeit auf sie zu, sie konnte richtig loslegen und stellte eine Auswahl ihrer Produkte ins Internet. Wie groß war ihr Erstaunen, als sie weltweit Nachfragen erhielt: aus Singapur, Texas, Hawaii.

„Es ist der Zeitgeist, der Handgemachtes wieder im Trend sein lässt,“ erklärt sie die Nachfrage. „Ich arbeite ohne Drehscheibe und kombiniere mehrere Handaufbautechniken wie Pinching (Daumendruck) und Slab-Buildung (Plattenaufbau).“ Unregelmäßigkeiten, Abdrücke, die durch die Bearbeitung entstehen und teils rustikale Glasuren sind Sinn der Sache und stehen für das japanische „Wabi Sabi“, die Schönheit im vermeintlich Hässlichen zu sehen. Der Entstehungsprozess ist dadurch auch noch in der fertigen Keramik fühlbar.

Hier schließt sich für Sandra Walschek ein Kreis zur schamanischen Weltsicht und Philosophie. Das Schöne und das Hässliche, Perfekte und Unperfekte, Tod und Leben gehören zusammen, die Gegensätze verbinden sich.

„Töpfern kann ein Stück Selbstfindung sein,“ sagt sie. Im einfachen handwerklichen Tun kann man die Schwelle von „Ich kann das nicht…“ überwinden, was häufig beim Singen oder Zeichnen ein Hindernis darstellt. Ihr Wunsch ist es, mit anderen bei der gemeinsamen Arbeit am Ton, ganz losgelöst von Leistungsdruck, in den Austausch zu kommen.

Hier ist Sandra Walscheks Keramik zu sehen: https://www.etsy.com/de/shop/SalafeuKeramik