Alternative Projekte 9: Projekte der Schaumburger Frauenbewegung

Frauenzentrum, Frauencafé, Notruf für Frauen, Frauenhaus, Frauenbeauftragte, BASTA

Am Anfang war die Frauenbewegung, die von den Städten aufs Land überschwappte. Doris kam 1983 aus Hamburg nach Stadthagen – und war entsetzt über die Situation von Frauen in der Provinz. Über den Secondhand-Laden „Kunterbunt“, in dem auch Frauenliteratur verkauft wurde, und über VHS-Kurse fanden sich Frauen zusammen und gründeten erste Frauengruppen, farbenfrohe, ausgelassene Feste zum Internationalen Frauentag am 8. März wurden gefeiert, es herrschte Aufbruchstimmung.

1984 riefen Teilnehmerinnen eines Theaterseminars (Leitung: Ulli Domnich) zum Thema „Gewalt gegen Frauen“ eine Notrufgruppe ins Leben, 1985 etablierten Frauen einen eigenen Raum nur für Frauen: das Frauenzentrum in der Windmühlenstraße in Stadthagen mit dem wöchentlichen Frauencafé (Seele des Cafés waren Gisela Glatzel und Dagmar Sever), der Notrufgruppe, verschiedenen Frauengruppen und Veranstaltungen.

Ehrenamtlich war die Notrufberatung bald nicht mehr zu schaffen, und mit Unterstützung einer ABM-Stelle des Arbeitsamts konnte 1985 eine erste Stelle für die Beratung von Frauen in Gewalt- und Krisensituationen geschaffen werden (Cornelia Künzel).

In den folgenden Jahren entstanden weitere Institutionen zum Empowerment von Frauen: 1987 wurde ein Frauenhaus eröffnet und eine Kreisfrauenbeauftragte eingestellt, 1988 die erste Stelle zum Thema „Sexueller Missbrauch“ im Frauenzentrum gefördert (Gisa Meier).

Inzwischen sind Frauenhaus, Frauenbeauftragte und Mädchen- und Frauenberatung aus dem Landkreis nicht mehr wegzudenken. BASTA ist der Name des Beratungsvereins – ein Name, der für sich spricht (längste Mitarbeiterin: Inge Wehking).

Etliche neue Aufgabenfelder haben die Mitarbeiterinnen von BASTA zu bewältigen; Mobbing in (un-)sozialen Netzwerken, Präventionsarbeit in Schulen und Kindergärten, Beratung bei Essstörungen und vieles mehr. Verbal anerkannt ist die Notwendigkeit inzwischen von allen Seiten. Ein leidiges Thema allerdings, das sich seit Beginn der Arbeit in den 80ern bis heute durchzieht, sind Auseinandersetzungen mit Bund, Land, Landkreis, Städten und Gemeinden um ausreichende Finanzierung. Unser Motto, damals wie heute: Never give up!