Die Kogis – Hüterinnen der Erde II

Teilnehmerin der Begegnungsreise der Kogis in Deutschland war auch Frau Saga Narcisa Pinto-Zarabata, die berichtete, wie die Frauen ihres Stammes die Erde hüten. „Wir sind als Frauen die Mutter Erde,“ sagte sie, „wir sind für den Fortgang des Lebens verantwortlich wie die Erde auch. Die Aufgabe der Frauen ist das Hüten, der Bäume, des Wassers, der Kinder.“

Dieses Wissen wird mit dem Knüpfen von Taschen an die Töchter weitergegeben, eine ganze Philosophie ist verbunden mit dem Vorgang der Herstellung der Taschen. Auch die Sprecherin war während des Treffens damit beschäftigt, eine Tasche zu knüpfen. „Wir unterrichten die Kinder bereits im Mutterleib,“ fuhr sie fort. So werden Samen gesetzt für gute Worte, gute Blicke.

Besonders betonte sie die Bedeutung des Wassers, der Seen und Flüsse. „Wir Frauen repräsentieren auch die Seen und Flüsse,“ sagte sie. „Das Wasser ist so wichtig, die Seen und Flüsse sind heilig, so heilig wie die Frauen.“ Sie fügte hinzu, dass „unsere jüngeren Brüder und Schwestern“ – damit sind Vertreter der westlichen Kultur gemeint – Staudämme bauen wollen…

Im Verlauf des weiteren Gesprächs wurde die Frage gestellt, wie Spiritualität bei jungen Menschen Fuß fassen kann. Ein Vertreter der Kogi antwortete, dass bei ihrem Volk die Tradition in der Gemeinschaft gelebt wird und schon die kleinsten Kinder mit der spirituellen Tradition durch Worte und Rituale vertraut werden. Die spirituelle Sicht auf die Welt wird so für sie zu einer Selbstverständlichkeit. Bleibt die Frage offen, was für Wege es in unserer Gesellschaft gibt, bei jungen Menschen Verständnis für Spiritualität zu wecken.

Die Kogis, Hüter der Erde I

Die Kogi sind ein indigenes Volk aus Kolumbien, das erst Ende des letzten Jahrhunderts Kontakt zur westlichen Zivilisation aufgenommen hat. Vier Abgesandte der Kogi habe ich bei einem interspirituellen Dialog in Bad Münder kennenlernen dürfen. „Ich bin nicht hierher gekommen, weil es meine persönliche Entscheidung war, sondern ich bin von meinem Volk dafür ausgebildet und ausgewählt worden,“ sagt einer der Sprecher.

Warum nehmen sie die lange Reise und zahlreiche Veranstaltungen auf sich? Die Kogi verstehen sich als Hüter der Erde. „Sonne und Mond kümmern sich um die Erde, sie sorgen für den Regen, die Pflanzen, die Tiere. Diese Aufgabe wurde im Anfang der Zeit hinterlassen. Sonne und Mond sind wie Mann und Frau, und auch wir Männer und Frauen haben die Aufgabe, uns um die Erde, die Natur zu kümmern.“ Soweit in aller Kürze ein Aspekt ihrer komplexen Philosophie.

Ein besonderes Anliegen ist es den Vertretern des indigenen Volkes, dass der Erdkörper nicht verletzt und ihm nichts entnommen wird, vor allem kein Gold. In den Elementen in der Erde ist nach ihrem Verständnis Lebenskraft hinterlegt, sie geben uns die Kraft, auf der Erde zu leben. Und der Erde geht es schlecht, weil diese Dinge bewegt, entfernt wurden.

„Das Recht der Natur ist es, zu existieren wie am Anfang der Zeit – keine Löcher durch den menschlichen Körper und nicht durch die Erde. Die Gemeinschaften müssen wieder die Verantwortung übernehmen für die heiligen Berge, Flüsse, Seen.“

Ein Großteil ihres angestammten Landes wurde den Kogi geraubt. Um weiter ihrer Aufgabe nachzukommen, und ihren Lebensraum, die Sierra Nevada de Santa Marta, das Herz der Erde, zu schützen, haben sie sich entschlossen, ihr Land zurück zu kaufen, da es derzeit keine anderen Möglichkeiten gibt. Wer den Landrückkauf unterstützen möchte, schaue im Internet nach dem Verein Lebendige Zukunft e.V. Unter Projekte gibt es die nötigen Informationen zum Rückkauf des Landes.

 

Kartoffeln lieben lernen

In meiner Kindheit in den 50er Jahren war ich bei einer Kartoffelernte auf dem Land in Großenwieden dabei. Wir Kinder sammelten fröhlich liegengebliebene Kartoffeln auf, und als es dämmerte, wurde ein Feuer angezündet. Eine gute Erinnerung an die Gemeinschaft und den Geruch der Erde und des Herbstfeuers blieb zurück.

Vielleicht war es auch diese Erinnerung, die mich veranlasste, im letzten Jahr ein Kartoffelexperiment zu starten. Da mein Garten recht klein und schattig ist, begann ich mit einem Quadratmeter, auf dem ich fünf Kartoffeln pflanzte. Der Boden wurde mit Hühnermist vom Nachbarn versorgt, und die Erdäpfel gediehen. In unserer Familien-App bat ich alle, an einer Wette teilzunehmen: Wie viele Kartoffeln wachsen auf diesem Quadratmeter? Die Zahlen bewegten sich zwischen 17 und 30 Stück, nur Uroma Ingrid ging von zwei Kilo aus. Und damit war sie eindeutig Gewinnerin der Wette: 55 große und mittelgroße Kartoffeln konnten im Herbst von meinen Enkelkindern geerntet werden!

Durch den Erfolg wurde ich in diesem Jahr mutiger und weitete mein Experiment aus. Zwei Quadratmeter wurden mit zehn Kartoffeln bepflanzt. Mich inspirierte auch die Aussage einer indianischen Weisen, Estcheemah, die Lehrerin von Hyemeyohsts Storm, die zu ihm sagte, als er zu ihr kam, um ein mächtiger Schamane zu werden: „Du musst eine Kartoffel wertschätzen und lernen, sie zu lieben. Kartoffeln halten uns lebendig.“ Das war nicht das, was Storm erwartet hatte. Doch er ließ sich darauf ein und wurde Jahre später ein bedeutender Schamane.

Und dann war der erste September da, der metereologische Herbstanfang, die Kartoffelernte in meinem Garten konnte beginnen, zumal die Pflanzen längst vor sich hinwelkten. Doch was für eine Enttäuschung – nur 13 mittelgroße und etliche Minikartoffeln von der Größe einer kleinen Murmel kamen zum Vorschein, soviel ich auch in der Erde wühlte. Der Regen hatte gefehlt! Und da ich gerade in der heißesten Zeit abwesend war, hatte ich auch nicht mit der Gießkanne nachhelfen können.

„Wer soll davon satt werden?“ hieß es in der Familien-App lakonisch, als ich die traurige Nachricht verbreitete. Inzwischen habe ich von einem Bauern erfahren, dass Kartoffeln nicht zwei Jahre nacheinander auf der gleichen Fläche angebaut werden dürfen. Vielleicht muss ich es nächstes Jahr mit Kürbissen versuchen, denn ein weiteres sonniges Plätzchen von 2 Quadratmetern für den Gemüseanbau gibt es in meinem Garten nicht.

Begegnungen in Polen III, Frau K.

Es war eine unerwartete Begegnung. Vor der Kirche einer masurischen Kleinstadt fuhr ein roter Sportwagen mit einem deutschen Kennzeichen vor, und heraus stieg eine ältere Dame in Rock und Jäckchen. Frau K., wie wir später erfuhren, als wir nach dem Gottesdienst der deutschen evangelisch-augsburgischen Gemeinde beim Kirchencafé zusammensaßen. Ich war auf wohltuende Art überrascht von dem Kirchgang, weil die Feier – entgegen meinen Erwartungen – geprägt war von einem frischen, fortschrittlichen Geist.

Bei Kaffee und Tee stellten wir uns vor, und Frau K. erzählte, dass sie sich in die masurische Landschaft verliebt und dort vor etlichen Jahren mit ihrem Mann einen alten Bauernhof gekauft hat. Einen Vierkanthof auf einem Hügel, von dem aus man auf einen der zahlreichen Seen schaut. Das Ehepaar ließ das Anwesen unaufdringlich elegant restaurieren, und auch nach dem Tod ihres Mannes verbringt Frau K. dort im Sommer viele Wochen.

Die vornehm wirkende Dame ist Teil der deutschen Community, die es nach Masuren zieht. Viele, wie der Schriftsteller Arno Surminski, sind in diesem Teil der Welt geboren, suchen nach ihren Wurzeln und nach Möglichkeiten, die Erfahrungen von Faschismus, Krieg, Vertreibung und Flucht zu verarbeiten. Das hat Surminski in zahlreichen Romanen getan, die mich auf der Reise begleitet und mir geholfen haben, die Familie meines Vaters besser zu verstehen. Und dann sind da Nachkommen des Widerstandkämpfers Heinrich Graf von Lehndorff und andere, die versuchen, sein ehemaliges Gut Sztynort/Steinort als Ort der Völkerverständigung in einem vereinten Europa zu erhalten.

Frau K. pflegt diese Kontakte und nutzt ruhige Zeiten, um zu schreiben. Wir dürfen gespannt sein auf einen Krimi von ihr, der Anfang 2023 erscheinen wird, „Tod in Masuren“ lautet der Titel.

Manfred, Begegnungen in Polen II

Manfred war einer der Menschen, den ich auf unserer Reise nach Polen in die Heimat meines Vaters, das frühere Ostpreußen, kennenlernte. Unsere Vermieter hatten uns zum montäglichen Singen im deutschen Verein in einer masurischen Kleinstadt mitgenommen. Im Dachgeschoss des Arbeitsamts – dort Aktivierungszentrum genannt – hat sich der Verein einen kleinen Büroraum und ein großes Versammlungszimmer einrichten können. Auch mit Geldern aus der Bundesrepublik.

Wir betraten einen recht dunklen Raum, braune Deckenbalken, lange Tische, gepolsterte Stühle. An den Wänden Girlanden und Luftballons, zahlreiche Fotos und Bücher, die Deutschlandfahne und die ostpreußische Flagge. Ein Geburtstag war zu feiern, und auf den weiß gedeckten Tischen standen Schnittchen mit Wurst, Fisch und Gurken, Äpfel und Kaffee bereit.

Manfred war mir schon beim Eintreten aufgefallen, weil er alle um Haupteslänge überragte. Im weißen Hemd und Krawatte, grauer Hose und Weste machte der schlanke, hochgewachsene Mann einen vornehmen Eindruck. Am imposantesten aber war sein Gesicht mit ausgeprägter Nase und einem energischen Kinn.

Im Laufe des Vormittags erfuhr ich, dass Manfred ein sogenanntes Wolfskind ist. Von seiner Familie nach einem Überfall am Kriegsende für tot gehalten, blieb er elternlos im damaligen Ostpreußen zurück und schloss sich einer der Kinderbanden an, die sich in den Wäldern lebend bettelnd und stehlend über Wasser hielten. Später fasste er Fuß und ergriff einen handwerklichen Beruf.

Diese Vergangenheit war dem lebhaften Mann nicht anzumerken. Oliver stimmte sein Akkordeon, und als wir begannen zu singen, war Manfred ganz in seinem Element. Von „An jenem Tag mein Freund“ bis zum „Masurenlied“ und polnischen Liedern. Mit großer Begeisterung und kräftiger Stimme riss er auch die müdesten Teilnehmerinnen mit, bis schließlich alle von seiner Lebensfreude angesteckt wurden.

P.S. Unser Eindruck war, dass wir es hier mit – durchweg älteren – Menschen zu tun hatten, die sich an ihrem wöchentlichen Beisammensein freuen. Gesprochen wurde vor allem polnisch, nicht alle waren der deutschen Sprache mächtig. Ob und wieweit das Bedürfnis nach Gemeinschaft und Austausch politisch von rechter Seite ausgenutzt wird, kann ich nicht sagen.

Renata und Oliver – eine deutsch-polnische Liebe

Renata empfängt uns an der Eingangstür ihres Hauses mit einem freundlichen Lachen. Freundlich wirkt auch das geräumige, rötlichbraun gestrichene Holzhaus, aus dem sie tritt. Blumen, die Veranda und eine große Terrasse laden zum Verbleib. Die große Frau in Jeans lacht gerne, und auch wir haben in den nächsten Tagen viel zu lachen.

In einem Dorf bei Lötzen/Gizycko in Polen verbringen wir ein paar Tage bei Renate und Oliver, nachdem wir den Geburtsort meines Vaters im früheren Ostpreußen besucht haben. Wir ziehen in ein kleines Gästehaus, und kurz nach unserer Ankunft bringt uns Oliver einen Topf mit Borschscht, einer Gemüsesuppe, und eine Schüssel mit Pfifferlingen. Er ist Deutscher und hat mit Renata, die aus Polen stammt, lange in Deutschland gelebt und gearbeitet. Vor drei Jahren haben sie sich entschlossen, ihre Wohnung dort aufzugeben und ganz nach Polen zu ziehen.

Haus und Garten von Renata und Oliver sind eine grüne Oase, zwei Minuten vom Badestrand entfernt. Nachts kullert ab und zu ein Apfel aufs Dach, ein Volleyballnetz lädt zum Spielen ein, ebenso die kleine Boulebahn, im Gehege gackern sechs Hühner. „Ich habe das Grundstück gekauft, um mich selber zu finden,“ erzählt sie uns eines Morgens auf der sonnigen Terrasse. In ihr perfektes Deutsch mischt sich manchmal der melodische Singsang der polnischen Sprache. „In einem Dorf in der Nachbarschaft bin ich geboren und aufgewachsen.“ Ihre Eltern sind Deutsche, die nach dem Krieg im früheren Ostpreußen, heutigen Polen, geblieben sind, sie bewirtschafteten einen kleinen Bauernhof. „Das war Arbeit,“ sagt sie, wenn sie an ihre Kindheit zurückdenkt, „nichts als Arbeit. Nicht einmal eine Puppe hatte ich als Kind.“ Zwanzig Ausreiseanträge stellte der Vater, bis sie in den 70er Jahren endlich nach Deutschland ausreisen durften – weil an dem Ort eine Mülldeponie gebaut werden sollte.

Renata war damals siebzehn, die Familie zog nach Süddeutschland, und sie besuchte eine gute Schule. Schon früh lernte sie ihren Mann kennen, das erste Kind kam, als Oliver noch studierte, zwei weitere folgten. „Wir hatten nie viel Geld, aber wir lebten so, wie es uns gefiel, niemand war in der Nähe, der uns reinreden konnte.“

Und wie kommt es, dass ihr irgendwann nach Polen gezogen seid?“ frage ich. Die Kinder waren flügge geworden, Renata hatte eine Ausbildung als Erzieherin gemacht und arbeitete beim Kinderschutzbund. „In Deutschland war ich die Polin, in Polen die Deutsche“, sagt sie. „Es war an der Zeit für mich, herauszufinden, wer ich eigentlich bin.“ Renata kaufte das Grundstück in Seenähe, das zunächst nur mit einem kleinen Steinhaus bebaut war, und verbrachte allein lange Sommer in ihrer alten Heimat. „Hier fand ich zu mir,“ erzählt sie. „Ich bin Deutsche, ich bin Polin, ich bin ein Mensch.“

Als Renata und Oliver in Rente gingen, zogen sie ganz nach Polen, ein Schritt, den sie nicht bereut haben. Die Kontakte nach Deutschland sind nicht abgebrochen, ihre Kinder und andere Verwandte leben dort. Und in Lötzen/Gizycko und Umgebung gibt es eine deutsche Community. Das Ehepaar arbeitet aktiv in der evangelisch-augsburgischen Kirchengemeinde mit, in der am Sonntag Gottesdienst in deutscher Sprache gefeiert wird, und am Montagmorgen treffen sich Deutsche und Polen – ehemalige Deutsche – um zu singen. Wir sind eingeladen, mitzukommen, und ich singe zu Olivers Akkordeonklängen mit. Von „Oh Masuren!“ bis zu „An jenem Tag mein Freund…“

 

Eine Reise ins Land der Vorfahren

Manche Reisen müssen einfach sein. Als unser Vater Mitte 80 war, haben meine Schwester und ich ihn gefragt, ob er mit uns in seine alte Heimat fahren würde, das frühere Ostpreußen, heutige Polen. Damals fühlte er sich schon zu alt für die Fahrt. Dann kam anderes dazwischen, bis schließlich eine Freundin und ich 2020 planten, Richtung Osten zu fahren. Corona machte einen Strich durch die Rechnung. Und nun ist es endlich soweit…

Bei mir stapeln sich Bücher mit Reiseberichten und Erlebnissen von Menschen, die dort waren. Von Menschen, die vertrieben wurden, flüchten mussten, und von anderen, die wie ich auf den Spuren von Müttern und Vätern das Land aufsuchten. Ich kann nicht genau sagen, was mich dorthin zieht. Ich habe einfach das Bedürfnis, einen Kreis zu schließen. Die frühere Heimat meiner Mutter in Mecklenburg kenne ich schon lange, mit den Wurzeln meines Vaters habe ich mich wenig beschäftigt.

Eine Tarotkarte, die ich dazu gezogen habe, die sieben Münzen, sagt aus, dass es Zeit ist, Ernte zu halten. Eine Zeit der Reife ist eingetreten, innerlich und äußerlich, langsam und beständig sind neue Einsichten und Ideen gewachsen. Nun, ich bin gespannt auf die Begegnung mit dem Land, mit den Menschen, Pflanzen, Tieren, Spirits. Manche Reisen müssen einfach irgendwann sein.

 

Ein gewaltsamer Tod und die Stadt

Heute morgen las ich in der Zeitung, dass meine Buchhändlerin in Obernkirchen in ihrem Geschäft umgebracht wurde. Eine sanftmütige 75jährige Frau, die nach dem Tod ihres Mannes allein den Laden betrieb. Ich habe das Gefühl, dass sie in Frieden ist, wo immer sie sich jetzt befindet. Doch Menschen vor Ort geraten in Angst, und Misstrauen macht sich breit.

Ich zog Tarotkarten zu Rate, mit der Frage, was der gewaltsame Tod für unsere städtische Gemeinschaft bedeutet und wie wir Wege aus der Angst und dem Misstrauen finden können. Eine Antwort war, dass es darum geht, sich mit verdrängten Themen zu beschäftigen, Schwierigkeiten aufzuarbeiten und eine radikale Kehrtwende vorzunehmen.

Was das konkret für uns bedeutet, werden wir in vielen Gesprächen klären müssen…

Über Freundschaft, Kameradschaft und Liebe

Als mich kürzlich jemand fragte, ob ich mit D. befreundet sei, überlegte ich kurz. „Ich kenne so viele Arten von Freundschaften,“ sagte ich schließlich. Nachbarschaftliche Freundschaften, kollegiale Freundschaften, Schulfreundinnen… Dann gibt es die Bekanntschaften aus der Nachbarschaft, die Sportskolleg/innen, die Schulkamerad/innen… Und es gibt die Herzensfreundschaften, die über gemeinsame Interessen, Arbeit und Nachbarschaft hinaus Bestand haben. „D. ist eine Herzensfreundin“, antwortete ich schließlich.

Ich frage mich, ob es in anderen Sprachen unterschiedliche Bezeichnungen gibt für die unterschiedlichen Arten von Beziehungen gibt, die wir mit anderen Menschen eingehen. Im Deutschen müssen wir uns begnügen mit den Begriffen Freundschaft, Bekanntschaft, Kameradschaft und Liebe. Wobei Liebe im Allgemeinen nur auf eine Partnerschaft oder auf die Verbindung zwischen Eltern und Kindern bezogen wird.

Vielleicht bräuchte es sogar für jede einzelne Beziehung eine eigene Bezeichnung, da letztendlich jede Verbindung zu einem Menschen einzigartig ist.