Frieden schaffen ohne Waffen

Am Wochenende traf ich auf Einladung einer jungen Frau ein paar Freundinnen – unser Thema: Wie kann Frieden entstehen? Und was können wir tun für den Frieden?

Das große Verlangen wurde deutlich, Frieden im eigenen Inneren zu schaffen, still zu werden, zu meditieren. Und bezogen auf die Situation in der Ukraine und anderswo wurde der Wunsch nach Kommunikation und Verhandlungen laut. Auch um dies zu befördern kann die Meditation ein Weg sein. Wer weiß, wie Friedensgedanken, die so in die Welt gesetzt werden, letztendlich wirken.

Wir haben Friedenslieder gesungen, meditiert, uns ausgetauscht, Ideen gesammelt. Am Samstag wird es Tänze für den Frieden in Bad Nenndorf geben, beim nächsten Treffen wollen wir eine Meditation zur Herzöffnung machen. Wie schnell geraten wir mental unter Druck und in die Lage, nur zwei Möglichkeiten zu sehen , entweder – oder. Optionen, die Wege von hier nach da aufzeigen könnten, werden dann ausgeblendet. Und wie schnell verhärten die Herzen in belastenden Situationen. Allein schon die Musik zu dieser Herzmeditation lässt die Herzen weit werden.

Nachträglich ist mir aufgefallen, dass wir einen Aspekt nicht mit einbezogen haben. Die Spiritwelt. So nenne ich es. Andere würden vielleicht sagen: Helfer/innen aus der Anderen Wirklichkeit, Geistwesen. Oder auch: Engel, Gott… Ich bin der festen Überzeugung, dass wir die Unterstützung der unsichtbaren Welt benötigen, um Wege zum friedlichen Miteinander zu finden. Welche Namen wir auch dafür wählen, welche Gebete wir sprechen oder welche Rituale wir vollziehen.

Der Trost der Buchen

Auf meinem morgendlichen Weg zum Bach beschäftigten mich ein paar trübe Gedanken. Ich war beschämt, da ich mich in einer Situation nicht ganz korrekt verhalten hatte. Drei Buchen, die ich die „Drei Freundinnen“ nenne, zogen plötzlich meine Aufmerksamkeit auf sich.

„Schau uns an“, schienen sie mir zuzurufen. „Wir sind auch nicht perfekt! Auch du musst nicht perfekt sein“. Die drei Baumstämme sind unten zusammengewachsen, einer dehnt sich mit seinen Ästen weit über den Pfad, bei einem anderen bemerkte ich zahlreiche vertrocknete Zweige, und bei der dritten Buche ist ein dicker Ast abgebrochen. Nicht perfekt, und dennoch – oder gerade deshalb, wegen der Vielfalt der Erscheinungsformen – wunderschön.

Ich stellte mich zu den „Drei Freundinnen“ als vierte Freundin dazu, umarmte die Bäume rechts und links neben mir und fühlte mich getröstet.

Über das geomantische Wissen der Kogi

Das geomantische Wissen der Kogi, ein indigenes Volk aus der Sierra Nevada de Santa Marta in Kolumbien, überwältigt mich. Vor 25 Jahren habe ich die geomantische Arbeit von Johanna Markl und Marco Pogacnik kennengelernt, und seitdem begleitet mich diese Art, Verbindung mit der Erde und allen Wesen aufzunehmen. Allein und mit Gruppen bin ich im Schaumburger Land und manchmal auch in der weiteren Umgebung unterwegs. Wir haben Kontakt zu den Gewässern aufgenommen, besondere Orte besucht, wie zum Beispiel den Steinbruch auf dem Bückeberg, sind die Kammlinie der Bückeberge entlang gepilgert und vieles mehr.

Und nun lese ich in dem Buch von Lucas Buchholz über das differenzierte geomantische Wissen der Kogi und mir wird klar und deutlich vor Augen geführt, was für absolute Anfänger/innen wir auf diesem Gebiet sind. Während wir schon froh sind, wenn wir die besondere Qualität eines Platzes einigermaßen wahrnehmen können, kennen die Kogi genau die Funktion ihrer heiligen und speziellen Orte. Orte für jedes Tier, jede Pflanze, wo die Urform genährt wird. Orte, wo negative Gedanken hingeschickt werden. Orte, die für die Erde besondere Bedeutung haben, um nur einige zu nennen.

Für die Kogi ist die Funktion der heiligen Orte – in einem Netzwerk verbunden mit allen anderen Orten – die Grundlage für die Ordnung eines Territoriums.

Und um diese Ordnung aufrechtzuerhalten, sind die weisen Männer und Frauen der Kogi in ständiger Verbindung mit den Orten. Sie gleichen Ungleichgewichte aus, mit materiellen oder spirituellen Gaben.

Dieser Umgang mit der Erde und allen Lebewesen macht mich traurig und demütig. Unsere Kontaktaufnahme mit der Erde hier ist gut und wichtig – und es ist gut, wenn auch schmerzlich, sich vor Augen zu führen, an welchem Punkt wir stehen. So viel Wissen ist verloren gegangen oder wird aufgrund einer vermeintlich wissenschaftlichen Denkweise abgewertet. Wir stehen am Anfang – mutig voran!

 

Wann ist genug für euch?

„Wann ist genug für euch?“ fragt Santiago von den Kogi, einem indigenen Volk aus der Sierra Nevada de Santa Marta in Kolumbien. Diese Frage, von der Lucas Buchholz in seinem Buch „Kogi“ berichtet, stimmt mich nachdenklich. „Wann habt ihr das Gefühl, dass ihr so viel besitzt, dass ihr einfach in Ruhe am Fluss sitzen und der Natur lauschen könnt?“ fragt er weiter.

Ich habe wenig Probleme damit, mich materiell einzuschränken (außer was Bücher betrifft), aber ich habe ständig das Gefühl, nicht genug Zeit zu haben. Als ich in Rente ging, dachte ich, ich hätte mehr Zeit, um in den Wald und an die Bäche zu gehen. Doch es bleibt im Allgemeinen bei sonntäglichen Wanderungen und ein, zwei Runden von einer Viertelstunde während der Woche.

Die Frage hat mich aufgerüttelt. Es ist so viel, was uns der Bückeberg schenkt – gute Luft, gutes Wasser, gute Erde, Brennholz für den Winter und den angenehm kühlen Schatten der Bäume im Sommer. Ja, ich habe die Zeit, die Freundschaft mit dem Wald und dem Liethbach zu pflegen, ihnen ein wenig zurückzugeben für ihre Geschenke. Müll aufzusammeln, ein Lied zu singen, aufmerksam zu sein für das, was sie auf ihre Art und Weise mitzuteilen haben.

Überraschung in den Raunächten

Zwischen Weihnachten und Neujahr waren Kinder und Enkelkinder da, in meinem ansonsten eher ruhigen Häuschen ging es laut und lustig zu. Kein Gedanke daran, die Raunächte in meditativer Ruhe wirken zu lassen.

Und dennoch – sie wirkten! Als der Trubel vorbei war, das Haus aufgeräumt und sauber, auch die Silvesterknallerei vorüber gegangen, kamen die Träume, ungefragt und ungebeten. Nicht unbedingt angenehm, denn sie wiesen auf einen blinden Fleck in meinem Leben hin. Ich schaute hin, und der blinde Fleck hellte sich auf.

Nach der nächsten Nacht dann wachte ich auf mit dem Titel eines Buches: „Woher wir kommen, wohin wir gehen“. Die Botschaft war klar: schreiben. Eigentlich hatte ich nicht vor, noch ein Buch zu schreiben, nochmal über Jahre hinweg an einem langen Text zu sitzen. Ich wollte eigentlich nur noch meinen Blog und kurze Artikel verfassen. Aber nun war da dieser glasklare Auftrag… Mit einer Zeitvorgabe, wie lange es dauern sollte (nicht länger als 5, maximal 6 Jahre), 300 Seiten, und mit der Sicherheit, dass sich die Struktur während des Schreibens ergeben wird (und ich nicht, wie es meine Art ist, mit der Erstellung der Struktur beginnen solle).

Ich kann mich dieser inneren Stimme nicht entziehen, ohne einen Teil von mir selbst aufzugeben. Und so habe ich mich heute an den Computer gesetzt und mit dem ersten Kapitel begonnen. Es beginnt mit einem vergangenen Leben im Altai, auch das war klar. Ich bin gespannt, wie die Reise durch viele, viele Leben („Woher wir kommen…“) weitergehen wird.

Ausgeknockt, stillstehender Verstand

Ausgeknockt – dieser Zustand, der mir wenig vertraut ist, war mein ständiger Begleiter in den letzten Tagen. Eine Erkältung hatte mich überfallen und mit Fieber lahm gelegt. Ich schlief Tag und Nacht und machte dabei eine seltene Beobachtung: mein Verstand stand still. Gedanken, sonst häufige Begleiter (du musst noch xy anrufen, was war bloß mit yz los gestern…), waren spurlos verschwunden. Ich schlief, ohne mir über irgendetwas „Gedanken zu machen“ und konnte mich auch an Träume nicht erinnern.

Dass ich auf dem Wege der Besserung war, bemerkte ich noch vor dem Fiebermessen daran, dass die Gedanken plötzlich wieder da waren. Körperlich immer noch schlapp, tummelten sie sich mit einem Mal wieder in meinem Kopf wie eine Herde junger Pferde, die im Frühjahr auf die Weide gelassen werden. Und es kostete einige Mühe, sie wieder einzufangen und auf ihre Aufgabe hinzuweisen. Zum Beispiel, mich beim Schreiben zu unterstützen mit sinnvollen Einfällen. Oder mich rechtzeitig an etwas zu erinnern. Oder mir bei der Analyse eines Textes zu helfen.

Dieser Umgang mit dem, was sich im Kopf abspielt, mag seltsam erscheinen. Doch so handhabe ich es, mal mit mehr, mal mit weniger Erfolg. Der Verstand, die Gedanken, haben eine dienende Funktion und sollten sich nicht durch stundenlanges im Kreis denken oder unangemessenes, ständiges Wiederaufploppen von längst Erledigtem zum Herrn im Kopf aufspielen. Ich spreche dann mit ihnen, wie oben beschrieben, und im Allgemeinen lassen sie sich dadurch beruhigen.

Allen Leserinnen und Lesern wünsche ich eine gesegnete Zeit zwischen den Jahren, gute Träume und Visionen fürs persönliche neue Jahr und unser aller Zukunft. 2023 geht es mit neuen Blogs weiter, Cornelia Künzel

Mein Lieblingsbuch: Geflochtenes Süßgras

Blog – Mein Lieblingsbuch: Geflochtenes Süßgras

Süßgras – ein wichtiger Bestandteil bei schamanischen Zeremonien. Salbei reinigt die Aura, Süßgras, bei uns als Mariengras bekannt, füllt sie mit der Süße des Lebens auf. Und nun gibt es ein wunderbares Buch „Geflochtenes Süßgras“ von Robin Wall Kimmerer, Mutter, Botanikerin, Professorin und Mitglied der Citizen Potawatomi Nation.

Wall Kimmerer verbindet auf wunderbare, oft poetische Art westliche Wissenschaft mit indigenem Wissen über Pflanzen. Sie schildert die Fülle der Felder und Wiesen ihrer Kindheit, voller wilder Beeren, Nüssen und Blumen. „Die Erdbeeren waren diejenigen, die mir das Gefühl gaben, dass die Welt voller Geschenke sei, die alle zu unseren Füßen liegen“, schreibt sie voller Dankbarkeit.

Die Autorin ist in einer Gemeinschaft aufgewachsen, in der das Land, die Erde mit allem, was sie hervorbringt, als Geschenk angesehen wird. Ein Geschenk an alle, nichts, was einem einzelnen gehören kann. Und das Wesen eines Geschenks ist in dieser Weltsicht, dass es zirkuliert, dass es Beziehungen schafft. „Die Felder schenkten uns Beeren, und wir schenkten sie unserem Vater (zum Vatertag, Anm.d.V.)“, schreibt Wall Kimmerer.

Um noch ein Beispiel aus der Fülle der Pflanzen zu nennen, zu denen die Schriftstellerin eine innige Verbindung hat: die „Drei Schwestern“, Mais, Bohnen und Kürbis. Wall Kimmerer schildert detailgenau, wie die drei Gemüsesorten, gemeinsam gepflanzt, besser wachsen als auf getrennten Beeten. Und zieht aus dieser Beobachtung Schlüsse für unser menschliches Zusammenleben.

Meine Worte kommen mir zu dürftig vor, um mitzuteilen, wie mich ihre Eindrücke, Erlebnisse und philosophische Überlegungen bewegen. Ein Buch, prall gefüllt mit Leben!

 

Musik im Wald, für den Liethbach

Eine kleine Frau mit einem großen Didgeridoo im Arm und eine Frau mit einer Altflöte gehen in den Wald, R. und ich. Dort, wo einmal der Liethbach geflossen ist, lassen wir uns auf ein paar Ästen nieder. R. bringt ihr Didgeridoo in Stellung, ich packe meine Flöte aus, und dann beginnen wir, zu improvisieren.

Die tiefen Töne des Digeridoos scheinen aus der Unterwelt zu kommen. Die Flöte fällt mit einem tiefen Ton ein, dann schrauben sich die Klänge langsam in die Höhe. Und fallen wieder ab, klettern wieder empor. Ich stelle mir Regen vor, der aus den Wolken auf die Erde niederfällt, im Erdreich versickert und oft erst lange Jahre später als Quellwasser wieder an die Oberfläche gelangt und die Gewässer speist.

Wir sind mit unseren Instrumenten zu dem Bach gegangen, um Kontakt mit ihm aufzunehmen. Um auf unsere Art und Weise zu zeigen, dass es Menschen gibt, die sich um ihn kümmern. Die es bekümmert, dass er seit Monaten trocken liegt. Man muss kein Schamane sein, um zu tun, was Wolf-Dieter Storl als eine Aufgabe von Schamanen bei Naturvölkern bezeichnet. „Der Schamane hilft, die Natur zu erhalten und zu tragen, er unterstützt sie, indem er sie wahrnimmt, bewundert, mit seinen Liedern besingt und in seinem Bewusstsein bewahrt“, schreibt er in seinem Buch „Ich bin ein Teil des Waldes“.

Und weiter heißt es in dem Text: „Wenn diese menschliche Liebesenergie fehlt, dann fängt die Natur allmählich an zu leiden, zu kränkeln, zu schwinden.“ Als R. und ich das nächste Mal mit unseren Instrumenten in den Wald ziehen wollen, treffen wir auf dem Weg eine Nachbarin, der wir von unserem Vorhaben erzählen. „Wartet auf mich, ich hole rasch meine Trommel und komme mit“, sagt sie.

Über Tarot

Gestern kam eine Freundin vorbei, die demnächst auf einer neuen Arbeitsstelle anfängt. Wir sprachen über die Chancen dieses Neuanfangs, und dann fragte sie mich, ob sie dazu eine Tarotkarte ziehen könne. Gerne holte ich das Kartendeck, da ich immer wieder erlebe, wie die Bilderwelt des Tarot überraschende Impulse vermitteln kann. Und so war es auch in diesem Fall. Verwundert schaute die Freundin auf die Karte des Narren, die sie intuitiv aus dem Deck herausfischte. Der Narr drückt eine spielerische Leichtigkeit aus – etwas, das sie sich sehr wünscht in ihrem Leben, worauf sie jedoch kaum zu hoffen wagt. Die mythologische Figur des Narren wird sie dabei unterstützen, unbeschwert und offen ihre neue Arbeit zu beginnen.

Wie oft habe ich in den vergangenen Jahrzehnten Ähnliches erfahren dürfen. Vor fast vierzig Jahren wurde ich mit dem Tarotspiel bekannt und seitdem begleitet es mich durchs Leben. Nicht zum Wahrsagen – das war früher Ziel des Kartenlegens. Heute wird Tarot im Allgemeinen dazu benutzt, unseren Blick auf Situationen und Menschen zu schärfen, blinde Flecken aufzudecken und Unbewusstes durch den Spiegel des Bildes ins Bewusstsein zu rücken.

Ende des letzten Jahrhunderts wurde sogar an der Volkshochschule der Umgang mit dem Tarot unterrichtet, die intuitive Spielweise und der Bezug auf das Bedeutungssystem der Karten. Heute gibt es nur noch wenige Institute, die es wagen, dieses Thema in ihr Programm aufzunehmen, da es als Esoterik gilt.

Über die ausbalancierende Wirkung von Wasser

Gerne hole ich meine Berliner Enkelkinder von der Kita ab, wenn ich zu Besuch bin. Der Weg führt an einem See entlang, ist gesäumt von Bäumen und hohen Wohnhäusern, es wird gebaut, Radfahrer rasen vorbei, es ist keine reine Idylle. Und trotzdem wohltuend – das Licht, das sich im Wasser spiegelt, der leichte Wind, die Boote und Wasservögel. Ich habe den Eindruck, dass der See, das Wasser, ausgleichend wirkt.

So ist es auch, wenn man sich nach einem anstrengenden Tag unter die Dusche stellt, das Wasser den Körper hinab rieseln lässt und damit alles an unausgegorenen, störenden Überresten des Tages abstreift, um ruhig in die Nacht gehen zu können. Oder wenn man am Morgen mit der Dusche nächtliche Gespenster fahren lässt. Das Wasser hilft uns, in einen ausgeglichenen Zustand zu gelangen.

Nicht nur, wenn wir Wasser sehen und auf der Haut spüren, auch wenn wir es trinken, kann es uns dabei unterstützen, in Balance zu kommen. Forscher wie der Japaner Masuru Emoto haben Experimente mit Trinkwasser gemacht: unter einige Gläser wurden Begriffe wie Krieg und Hass gelegt, unter andere Wörter wie Liebe und Licht. Die Wassermoleküle unter den positiven Wörtern sahen harmonisch aus, völlig anders als diejenigen, die negative Zustände beschrieben.

Wenn ich morgens den Wasserhahn aufdrehe und mein Teewasser in den Kessel laufen lasse, gehen mir Begriffe durch den Kopf, die ich aus dem Altai mitgebracht habe: Wahrheit, Schönheit, Gesundheit, Glück, Licht. Damit „füttere“ ich das Wasser, und der morgendliche Tee „füttert“ mich dann wiederum mit diesen guten Gedanken.

 

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