Maifeste, Walpurgis, Beltane

Weder vom Wetter noch von der Stimmung und den Möglichkeiten her waren dieses Jahr rauschende Feste in den Mai angesagt. Vielleicht mag es für einige – wie für mich – tröstlich sein, zu erfahren, dass es geschichtlich vor den wilden, ausschweifenden Maikulten den asketischen Cordea-Kult gegeben haben soll.

Cordea, auch Cardea genannt, wurde im alten Rom als Göttin der Schwellen und Türgriffe verehrt. Ihre Pflanze war der Weißdorn, ihre Prinzipien Strenge, Reinheit und Schlichtheit, deren Einhaltung Wachstum und Reife verspricht. In jener Zeit sollen die Menschen zwischen Maianfang und Sommersonnenwende alte Kleidung getragen und sich durch Reinigungsriten innerlich und äußerlich auf die Sommersonnenwende vorbereitet haben.

Ovid schrieb über Cordea: „Ihre Macht ist es, zu öffnen, was geschlossen ist, zu schließen, was geöffnet ist.“

Mythen gaben (und geben) Menschen Halt und Verständnis für ihre Lebenssituation. Eigene Erfahrungen können durch die Erzählungen in einem größeren Rahmen betrachtet werden. Dadurch kann Verbundenheit entstehen, selbst wenn man/frau sich gerade isoliert und abgeschnitten vom Leben fühlt („Warum bin ich unglücklich, wenn es um mich herum grünt und blüht?“)

Die griechische und römische Mythologie kennt übrigens unzählige Götter und Göttinnen für die unterschiedlichsten Lebensmodelle. So gibt es zum Beispiel nicht nur die Heilige (Maria) und die (angebliche) Hure, ein Frauenbild, das die christliche Mythologie lange geprägt hat, sondern göttliche Vorbilder für Frauen in allen erdenklichen Situationen, von der (Erd-)Mutter Demeter bis zur Wissenschaftlerin Athene, von der Liebesgöttin Aphrodite bis zur Todesgöttin Hekate.

Wintersonnenwende an den Externsteinen

Es ist schön, die Jahreskreisfeste in Gemeinschaft zu feiern. Der Großmütterkreis der Externsteine lädt ein, am Samstag, 21.12.2019 um 13 Uhr, an den Externsteinen die Wintersonnenwende gemeinsam zu begehen. Auf einer Wiese gegenüber den so mächtig aufragenden Steinen beginnt das Treffen, mit Trommeln, Rasseln und Singen.

„Im Schutz der Bärin“, so ist die Zeremonie überschrieben. Der Bär ist eins der bekanntesten Tiere, die sich im Winter in ihre Höhlen zurückziehen und Winterschlaf halten. Sich zurückziehen, in die Höhle, ins Bett, in die Traumzeit, das ist eine der Lehren der Bärin. Sich von äußeren Aktivitäten zurückziehen, in einen passiv wirkenden, innerlich jedoch sehr aktiven, empfänglichen Zustand begeben. Im Schweigen, in der Ruhe kann plötzlich, unerwartet Klarheit auftauchen. Über das, was wichtig ist im neuen Jahr, was ins Leben kommen will, genährt werden möchte.

Diese Verbindung zur Bärenkraft kann wachsen durch die Teilnahme an dem Jahreskreisfest zum Winteranfang.

P.S. Unter www.grossmuetterkreis-der-externsteine.de findet ihr weitere Informationen.