Hochsensibilität und Schamanismus

Viele kennen aus der Kindheit Sprüche wie “Sei doch nicht so sensibel” oder “Du bist ja viel zu empfindlich”. Auch heute sind im Berufsalltag noch derartige, abwertende Bemerkungen zu hören. Menschen mit einer hohen Sensibilität nehmen mehr wahr als andere, alle Sinne sind wach, Geräusche,Gerüche, visuelle Wahrnehmungen werden gleichzeitig registriert. Auch der sogenannte sechste Sinn, mit dem die Atmosphäre, Stimmungen eingefangen werden, ist aktiv. Das kann schnell zu Stress führen, vor allem in Situationen, in denen viele Eindrücke zu verarbeiten sind.
Zum Glück wird zur Zeit die gesellschaftliche Bedeutung und der Wert von Hochsensibilität entdeckt. Menschen, die diese besondere Gabe haben, erkennen zum Beispiel früher als andere, wenn eine Situation aus dem Gleichgewicht gerät und können in Gruppen entscheidend dazu beitragen, Gegensätze auszugleichen und für Ausgewogenheit zu sorgen.
Die erhöhte Wahrnehmungsfähigkeit ist auch ein wichtiger Bestandteil der schamanischen Arbeit. Martin Prechtel, Sohn eines Schweizers und einer indianischen Mutter, wuchs in einem Reservat der Pueblo-Indianer in Neu-Mexiko auf. Nach einer Odyssee landete er als junger Mann in dem Mayadorf Santiago Atitlán in Guatemala, wo er auf seinen schamanischen Lehrer traf, Nicolas Chiviliu. Prechtel berichtet, dass das erste, was er zu lernen hatte, darin bestand, in jedem Augenblick hellwach und sich aller Sinneserfahrungen bewusst zu sein. “Wir konnten irgendwo unterwegs sein und uns unterhalten, und Chiv drehte sich ständig um und fragte in ernstem Ton: “Horch! Wie viele Vögel singen gerade? Welche Arten? An welcher Seite deines Körpers?”
Die Entwicklung einer hohen Sensibilität für seine Umgebung, gepaart mit Bewusstheit, beschreibt Prechtel als ersten Schritt seiner langjährigen schamanischen Ausbildung. Ich hoffe, dass in den kommenden Jahren die Verbindung zwischen Hochsensibilität und einer möglichen schamanischen Begabung deutlich wird.

P.S. “Hochsensibel geboren. Wie Empfindsamkeit stark machen kann”, ist eins der kürzlich erschienenen Bücher über Hochsensibilität.

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