Über Ohnmacht und Eigenmacht, Bericht von einer Medizinwanderung

Ich fühlte mich machtlos. Angesichts der gesellschaftlichen Verhältnisse und auch angesichts meiner Möglichkeiten, im Umgang mit nahestehenden Menschen Gutes zu bewirken. In einer derartigen seelischen Verfassung machte ich mich auf den Weg in den Wald. Ich ging allein, „der Nase nach“, mit der Absicht, in der Natur Unterstützung zu finden.

Schon nach kurzer Zeit entdeckte ich in vertrautem Gelände einen schmalen Pfad, den ich noch nicht kannte und der mich an ein paar alten Baumriesen vorbei führte. Ich kreuzte einen bekannten Weg und bog wieder auf unbekanntes Terrain ab. Schließlich ließ ich mich unter einer hohen Fichte mit rissiger Rinde auf dem Sonnen durchwärmten Waldboden nieder. Das unangenehme Ohnmachtsgefühl war noch nicht verflogen.

Da schien mir der Baum, an dessen borkigen Stamm ich mich lehnte, etwas vermitteln zu wollen. In unserer menschlichen Sprache klang das ungefähr so: „Schau mich an, ich stehe fest an einem Platz, meinem Platz. Über das Wurzelwerk und die Luft bin ich verbunden mit anderen Bäumen und Pflanzen. Wir unterstützen uns gegenseitig. Meine wichtigste Aufgabe ist es, mich zu entfalten, so gut ich es vermag.“

Die letzten Worte klangen in mir nach… Mich zu entfalten, so gut ich es vermag… Das bedeutet Eigenmacht entwickeln, die eigene Macht, die eigenen Fähigkeiten fördern, leben, dann wirke ich allein durch mein Sein.

Durch diese Einsicht getröstet setzte ich meinen Weg fort.

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