Eine neue Geschichte weben – aber wie???

Natürlich verlief das Treffen zum Thema „Eine neue Geschichte weben“ anders als ich es mir vorgestellt hatte. Es gab kein langes Rumwühlen in alten Geschichten (zu wenig Geld, immer muss ich alles alleine machen, das schaffen wir nie…), wie ich vermutet hatte.

Ausgehend von der Annahme, dass wir mit unseren Gedanken unser persönliches Leben zurechtweben und so letztendlich auch die kollektive Geschichte entsteht, beschäftigten wir uns stattdessen vor allem damit, wie Gedanken entstehen. Und wie wir in diese weitgehend unbewussten Prozesse eingreifen können, bevor sich schon wieder eine alte Geschichte manifestiert hat. Wer kennt nicht die Prophezeiungen, die sich selbst bestätigen?

Bevor wir einen Reiz von außen bewusst wahrnehmen, reagieren wir im Allgemeinen körperlich. Durch Zu- oder Abwendung vom Gesprächspartner oder andere Körperreaktionen. Und schon entfaltet sich das, was wir eine Geschichte nennen: eine Etikettierung des Wahrgenommenen als gut oder schlecht. Ja, genau, super… Oder: es läuft wie immer, ich bin als letzte dran… Oder, oder, oder. Und diese Geschichte bestimmt unser Gefühlsleben, Ärger, Traurigkeit, Angst, Freude, Liebe.

Zwei entscheidende Momente gibt es, aus diesem weitgehend automatisch verlaufenden Prozess auszusteigen und die alten Geschichten zu stoppen: eine genaue Wahrnehmung der Körperreaktionen und/oder der Gefühle. Wenn es gelingt, an diesen Punkten eine beobachtende Rolle einzunehmen, einen Moment des Innehaltens, ist viel gewonnen. Dann können wir uns die Frage stellen, ob wir wirklich so wie immer reagieren wollen oder ob es andere Möglichkeiten gibt.

Oder ob wir nicht so weitermachen wollen und können, aber auch noch keine anderen Möglichkeiten in Sicht sind. Das ist eine der schwierigsten Situationen. So wie bisher, geht es nicht weiter. Aber wie sonst? NFI, sagte Kunga aus dem Vorbereitungsteam dazu – No Fucking Idea. Es ist keine Schwäche, sich dies einzugestehen. Das ist der Punkt, an dem alle alten Konzepte nicht mehr taugen und Neues entstehen kann, für uns persönlich und für die Gemeinschaft.