Schwanken zwischen Pessimismus und Optimismus

Von Natur aus bin ich ein optimistischer Mensch, doch kürzlich kam diese Haltung ins Schwanken. Aus gegebenem Anlass hielt ich Rückschau auf einige der sozialen und kulturellen Projekte, die im Landkreis Schaumburg durch die Frauenbewegung und andere Initiativen entstanden sind. Die Beratung von Frauen in Gewalt und Krisensituationen, das Kommunikations- und Kulturzentrum Alte Polizei, die Frauenbeauftragten – zunächst eher am Rande angesiedelt, sind es mittlerweile fest etablierte Institutionen in der Mitte der Gesellschaft mit einem sicher nicht immer ausreichenden, aber festen, vom Staat finanzierten Budget für Personal und andere Kosten, wobei ein (kleinerer) Teil der Ausgaben von Vereinen übernommen wird.

Die einzigen Initiativen und Vereine, die seit über dreißig Jahren nur mit Ehrenamtlichen und einer 450-Euro-Kraft arbeiten, sind meines Wissens die 1-Weltläden in Stadthagen und Rinteln. Entstanden sind sie aus den 70er und 80er-Jahre Bewegungen für eine gerechte Welt, für Fairen Handel zwischen Nord und Süd. Ein Thema, das heute aktueller ist denn je. Umso erstaunlicher finde ich es, dass es für diese Arbeit in Niedersachsen immer noch keine festen Stellen gibt. Der Verkauf in den Weltläden wird nach wie vor gerne von Ehrenamtlichen gemacht, aber es fehlen bezahlte Arbeitsplätze für die Organisation der Teams, Bestellungen, Buchführung sowie für Öffentlichkeitsarbeit und Vernetzung.

Während Nordrhein-Westfalen Personalkosten für bestimmte Tätigkeitsbereiche bereitstellt, ist das in Niedersachsen noch ein Wunschtraum. Es dauerte Jahre, bevor sich einige Kirchengemeinden entschieden, fair gehandelten Kaffee auszuschenken. Städte und Gemeinden im Landkreis sind noch weit von einem derartigen, geradezu revolutionär anmutenden Schritt entfernt. Wahrscheinlich verhilft da nur ein Spruch zu verhaltenem Optimismus, den ich einmal im Weltladen aufgeschnappt habe: „Kaum wartet man zwanzig Jahre, schon tut sich was“. Ich frage mich nur, wann die zwanzig Jahre um sind…