Durch einen Zufall sind mir meine Tagebücher aus der Jugendzeit in die Hand gefallen. Keine einfache Lektüre. Hier nur ein kleiner Ausschnitt: „Es regnet und alles ist mies. Ich bin wirklich froh, wenn wieder Abend ist, dann habe ich den Tag hinter mir. Das ist doch kein Leben hier, das ist doch nur ein Vegetieren, ein Warten auf eine Gelegenheit, bei der ich wieder leben kann und wieder daran scheitere, dass ich nicht darf…“ Und so weiter und so fort.
Verbote seitens der Eltern und die eigenen Hemmungen, eine scheinbar unendliche Geschichte, unterbrochen von ein paar Lichtblicken. Ein Auf und Ab der Gefühle. Irgendwann habe ich als Jugendliche geschrieben, dass ich versuche, meine Gefühle „wegzudenken“. Eine Lösung, die es mir später schwer machte, überhaupt wieder Zugang dazu zu bekommen.
Zum Glück ist diese Zeit vorbei. Ich frage mich, wie manche Menschen die Jugend als die glücklichste Zeit ihres Lebens beschreiben können.
Vielleicht ist es doch kein Zufall, dass mir die Tagebücher gerade jetzt in die Hände gefallen sind. Der Planet Pluto ist rückläufig, und das kann ein großes Ausmisten bedeuten. Ein Bewusstwerden und Verabschieden von alten Mustern, Denkweisen, Rollen. Danke, Pluto, dass du mir nochmal vor Augen führst, was vorbei ist. Die alten Tagebücher können jetzt verbrannt werden.
Cornelia Künzel
Spannende Zeitqualität ab Mitte Mai
Am Samstag, 16. Mai 2026 steht der Neumond im Sternzeichen Stier. In diesem Erdzeichen geht es um die körperlichen und materiellen Bedürfnisse. Fühlst du dich wohl in deinem Körper, in deiner Umgebung, deinem Beruf?
Die Zeit ab Neumond wird dann spannend. Die Atmosphäre flimmert vor Aufregung und Nervösität. Merkur in den Zwillingen und Uranus sorgen für Überraschungen, ungewohnte, neue Ideen und Geistesblitze.
Da Neumond und die Tage danach immer gut geeignet sind für Neuanfänge, können diese Impulse genutzt werden, um Veränderungen einzuleiten und durchzuführen. Schnelligkeit und Vertrauen in den Ruf des Lebens sind dabei gefragt, auch wenn es zu unerwarteten Wendungen und Ereignissen kommt.
Wahrer Reichtum
Gerade habe ich das Gefühl, reich zu sein. Es ist kühl in diesen Maitagen, und die Heizung ist längst ausgestellt. Aber ich habe ja einen Ofen, den ich mit Holz heizen kann! Und vor der Tür lagern noch genug Buchen- und Kiefernscheite vom letzten Winter. Was für ein Schatz!
Der Kühlschrank ist gut bestückt, und im Keller liegen sogar noch ein paar Äpfel aus dem Vorjahr, etwas schrumpelig zwar, doch durchaus genießbar. Ein Bett und warme Sachen zum Anziehen habe ich auch. Was braucht der Mensch mehr?
Ja, da gibt es noch etwas. Bücher. Musik. Und Menschen. Freundliche Nachbarn, Familie, Freundinnen, Freunde und Bekannte. Die verschiedensten Beziehungen, enge und lockere. Menschen, mit denen ich fast täglich und andere, mit denen ich ein- zweimal im Jahr spreche.
Und dann natürlich, wie die Grundlage, die Basis für alles andere: die Natur. Die Bäume vor der Haustür, der Wald. Die zwitschernden Vögel am Morgen. Sonne, Mond und Sterne…
Sich heimisch fühlen
Wenn ich in meinem Wohnort auf den Markt gehe, einen Plausch mit dem Verkäufer am Käsestand halte und Bekannte begrüße, fühle ich mich heimisch. Ich kenne und liebe das Städtchen mit dem plätschernden Brunnen und der Eisdiele auf dem Marktplatz. Auch wenn das Eis anderswo besser schmeckt, sitze ich manchmal gerne hier, treffe auf vertraute Menschen und beobachte das Treiben rundum.
Wenn ich bei den Kindern und Enkelkindern in der Großstadt bin, kenne ich niemanden außer meiner Familie. Mit ihnen fühle ich mich wohl – aber heimisch fühle ich mich deshalb noch lange nicht. Der Weg zum Supermarkt ist mir fremd und beim Einkaufen sind mir die Leute fremd, sie kommen mir in sich gekehrt und freudlos vor. Niemand lächelt oder wirft mir ein freundliches „Hallo, wie geht`s?“ zu.
Aber es gibt etwas, das mir hilft, an diesem Ort heimisch zu werden, auch wenn die Kinder nicht da und die Enkel in der Schule sind. Und das sind die Pflanzen. Auf der Fahrt mit dem Fahrrad zum Einkaufen, komme ich an einer blühenden Weißdornhecke vorbei und atme tief den herben, vertrauten Geruch ein. Wenig später begegne ich einer Birke, meinem Lieblingsbaum, deren frühlingsgrüne Blätter im leichten Wind tanzen. Wie schön, denke ich. Und schon wächst ein zartes Gefühl von Vertrautheit mit dieser Stadt, in der ich mich zunächst wie ein Fremdling fühlte.
Singen und das innere Licht
Neulich bin ich mit dem Lied „All the earth is sacred, all the earth is one“ aufgewacht. Wir hatten es am Vortag gesungen, um den Frühling zu begrüßen, zu zweit, an einem versteckten, wilden Platz.
Angefangen hatte das gestrige Treffen nicht gerade fröhlich für mich. Im Gegenteil, ich war in recht miesepetriger Stimmung, als ich allein bei Nieselregen auf ein paar Freundinnen wartete. Statt der Freundinnen kamen Absagen. Ich verzog mich unter ein schützendes Dach und schaute eine Weile den Regentropfen zu, die in einen Teich platschten.
Dann nahm ich plötzlich das Lied einer Amsel wahr. In unzähligen Variationen trillerte sie vor sich hin. Ab und zu antwortete weiter entfernt ein anderer Vogel, doch auch wenn keine Antwort ertönte, ließ sie sich nicht beirren und zwitscherte eine neue Melodie.
Ob Vögel unseren menschlichen Gesang vermissen, fragte ich mich und begann, leise vor mich hin zu singen. Und da kam doch noch jemand aus unserem Kreis. Nun waren wir zu zweit, und gleich klang der Gesang anders, kräftig und freudig. Wir fingen mit Frühlingslieder an, von „Es tönen die Lieder“ bis „Im Märzen der Bauer“ und machten weiter mit englischen Songs. Mein inneres Licht begann wieder zu leuchten.
Neumond Freitag 17.4.26
Heute nur ein kurzer Hinweis auf den Neumond am Freitag, 17.4.26. Neumond und die Tage danach sind gute Zeiten für neue Anfänge. Die Schamanin Maria aus dem Altai hat zu dieser Zeit Heilungssitzungen gemacht, da die kosmische Energie Heilungsprozesse unterstützt.
Uns wieder in den Rhythmus der Jahreszeiten und Gestirne einzuschwingen, ist ein wesentlicher Aspekt, um in diesen herausfordernden Zeiten in Balance zu bleiben. Die zarte, zunehmende Mondsichel, die in zwei, drei Tagen am frühen Abendhimmel zu sehen ist, erinnert uns an diese besondere Zeitqualität.
Neue Feiertage?
Kürzlich kamen wir in kleiner Runde auf das Thema Feiertage zu sprechen. Sollte der 8.März, der Internationale Frauentag, nicht nur in Berlin sondern in ganz Deutschland zum Feiertag erklärt werden? Oder wäre es sinnvoll, dass bei uns zum Beispiel der Ramadan und das Pessachfest Feiertage für alle werden? In anderen Ländern ist das der Fall. In Bangladesch, wo die christliche Bevölkerung nicht einmal ein Prozent ausmacht, ist beispielsweise Weihnachten ein staatlicher Feiertag.
Meine Überlegungen gehen in eine andere Richtung. Wenn wir über neue Feiertage sprechen, dann sollten wir meiner Ansicht nach Daten wählen, die unsere Verbindung zur Erde stärken. Also nicht die Feste der großen Weltreligionen sondern die Jahreskreisfeste: Frühlings-, Sommer-, Herbst- und Winteranfang.
Um wirklich heimisch zu werden an einem Platz, brauchen wir Menschen neben der Beziehung zu anderen Menschen die Verbindung mit der Erde, auf der wir leben. Mit Tieren, Gewässern und mit den Pflanzen vor unserer Tür, die uns auf dem Weg zur Arbeit oder zum Einkaufen begegnen. Ihrem Blühen im Frühling, ihren Früchten und ihrem Absterben im Herbst.
Die Jahreskreisfeste erinnern uns daran, dass Wachsen und Vergehen natürliche Prozesse sind. Sie unterstützen uns dabei, uns einzuschwingen in die natürlichen Kreisläufe der Erde in unseren Breitengraden.
Wo sind Kasperl, Gretel, der Räuber und die Großmutter geblieben?
Die Kinder einer Freundin wünschen sich zum Geburtstag Kasperlepuppen oder, noch lieber, Märchenpuppen. Mein Besuch in einem großen Spielwarengeschäft war enttäuschend. Weder Kasperle- noch Märchenpuppen waren zu finden. Stattdessen samtige Tier- und Phantasiewesen zu hohen Preisen. Kasper und Co. sind verschwunden.
Ich frage mich, ob das ein gutes oder schlechtes Zeichen ist. Der lustige, schlaue Kasper, die liebe Gretel und der böse Räuber – vielleicht können wir auf diese Stereotypen wirklich verzichten. Im 18. und 19. Jahrhundert bot das Kaspertheater ein Ventil für Kritik an der Obrigkeit und gesellschaftlichen Zwängen. Im 20. Jahrhundert wurde es dann auch politisch eingesetzt, um zum Beispiel der Kriegsunlust von Teilen der Bevölkerung im ersten Weltkrieg entgegen zu wirken. Auch die Nationalsozialisten nutzten das Kaspertheater für ihre Propaganda.
Was für Typen wir heute benötigen, kann ich nicht sagen. Vielleicht hat sich in der Szene ja schon einiges entwickelt, das mir nicht bekannt ist. Die Figur, die ich jedoch wirklich vermisse und die meiner Ansicht nach auch heute noch gebraucht wird, ist die Großmutter. Dieser Archetyp einer weisen alten Frau sollte nicht mit dem Kasperletheater untergehen.
Ziviler Widerstand, eine Alternative zur Militarisierung
Ziviler Widerstand, auch soziale oder zivile Verteidigung genannt, basiert auf Methoden aktiver Gewaltfreiheit und zivilen Ungehorsams. Im Unterschied dazu ist sie aber keine Protestform gegen Strukturen, Maßnahmen oder Gesetze innerhalb eines funktionierenden Systems, sondern richtet sich gegen einen Putsch oder eine Besatzung durch eine fremde Macht im Krieg.
Verteidigt werden nicht Grenzen sondern Menschenleben. Land und Menschen werden durch den Verzicht auf gewaltsamen Widerstand vor großflächiger Zerstörung geschützt. Verteidigt werden gemeinsame Werte und Güter wie Freiheit, Gemeinschaft und Demokratie sowie die Infrastruktur und Versorgungssysteme des Alltags wie Krankenhäuser und Schulen.
Wie ist das möglich? Der Friedensforscher Gene Sharp listet allein 198 Formen des Widerstands auf, öffentliche wie Demonstrationen und Streiks und indirekte oder versteckte, von der Sabotage und Nichtzusammenarbeit bis hin zum unauffälligen Verteilen grüner Schleifen. Jeder und jede kann entscheiden, was ihr oder ihm möglich ist.
Der zivile Widerstand bietet eine Alternative, einen dritten Weg zwischen militärischer Verteidigung und Kapitulation.
Der Natur ihre Würde zurückgeben
Neben all den unerfreulichen Nachrichten aus aller Welt gibt es auch positive Entwicklungen: Ökosysteme werden zunehmend zu juristischen Personen erklärt, die sich vor Gericht gegen ihre Verschmutzer wehren können. Das ist eine weltweite Bewegung, die von indigenem Wissen inspiriert ist.
Den Beginn machten die Maori aus Neuseeland, die 2017 erreichten, dass dem Fluss Whanganui eigene Rechte zugesprochen wurden.Auch in Südamerika gibt es entsprechende Beispiele. In der Schweiz wurde in der Bundesverfassung neben der Würde des Menschen auch die Würde der Natur verankert, was bedeutet, dass Pflanzen nicht willkürlich zerstört werden dürfen.
Das Wichtigste ist jedoch, dass wir zu einer kollektiven Verbundenheit mit dem Land, auf dem wir leben, zurückkehren. Mit den Menschen, mit denen wir dieses Land teilen und seiner Geschichte. Das ist der Wesenskern indigener Kulturen.
Diese Infos stammen zum größten Teil aus einem kostenlosen Newsletter der TAZ, herausgegeben vom Team TAZ Zukunft. Jede Woche kann man in dem Newsletter positive Nachrichten erfahren.