KAROL steht mit großen Lettern unübersehbar eingeritzt an einem Baum oberhalb von Obernkirchen. Lange muss es her sein, dass sich jemand die Mühe machte, diesen Namen dort zu verewigen. Ob es vielleicht Karola heißen sollte und jemand bei der Arbeit gestört wurde?
Eigentlich sind es zwei Bäume, Buchen, von Anfang an miteinander verwachsen, mal getrennt auf ihrem Weg ans Licht, dann wieder zusammen gewachsen, untrennbar verbunden. Die mächtigen, tief herab hängenden Äste erinnern an den Rüssel eines Elefanten und laden dazu ein, sich darauf niederzulassen. Und die dicken Wurzeln bilden kleine Mulden, in denen man bequem sitzen kann. In einigen hat sich Wasser angesammelt, das vorbeilaufende Hunde oder Tiere des Waldes trinken. Holzspäne am Boden und eine große Höhle weisen darauf hin, dass hier ein Specht kräftig gearbeitet hat. Oder war es womöglich sogar ein Waschbär?
Der Architekt und Geomant Guntram Stoehr, ein Experte für Erdstrahlen und Kraftorte, hält Plätze, an denen Äste oder Stämme von verschiedenen Bäumen zusammen wachsen, für besonders kraftvoll. Die Öffnungen, die unterhalb der Verwachsungen entstehen, werden Elfenauge oder Baumkuss genannt. Stoehr weist auf die hohe Vitalkraft dieser Orte hin, die sich gut zum Verweilen und Regenerieren eignen.
„Wir gehen zu Karol,“ heißt es, wenn ich mich mit meinen Enkelkindern auf den Weg zu dem Baumriesen mache. So, als ob wir sagen würden, wir gehen eine Freundin oder einen guten Freund besuchen. Und das ist er auch, dieser Baum Karol – ein guter, beständiger Freund. Und manchmal bringen wir ihm ein kleines Geschenk mit, eine Blume oder ein Lied.