Sich heimisch fühlen

Wenn ich in meinem Wohnort auf den Markt gehe, einen Plausch mit dem Verkäufer am Käsestand halte und Bekannte begrüße, fühle ich mich heimisch. Ich kenne und liebe das Städtchen mit dem plätschernden Brunnen und der Eisdiele auf dem Marktplatz. Auch wenn das Eis anderswo besser schmeckt, sitze ich manchmal gerne hier, treffe auf vertraute Menschen und beobachte das Treiben rundum.
Wenn ich bei den Kindern und Enkelkindern in der Großstadt bin, kenne ich niemanden außer meiner Familie. Mit ihnen fühle ich mich wohl – aber heimisch fühle ich mich deshalb noch lange nicht. Der Weg zum Supermarkt ist mir fremd und beim Einkaufen sind mir die Leute fremd, sie kommen mir in sich gekehrt und freudlos vor. Niemand lächelt oder wirft mir ein freundliches „Hallo, wie geht`s?“ zu.
Aber es gibt etwas, das mir hilft, an diesem Ort heimisch zu werden, auch wenn die Kinder nicht da und die Enkel in der Schule sind. Und das sind die Pflanzen. Auf der Fahrt mit dem Fahrrad zum Einkaufen, komme ich an einer blühenden Weißdornhecke vorbei und atme tief den herben, vertrauten Geruch ein. Wenig später begegne ich einer Birke, meinem Lieblingsbaum, deren frühlingsgrüne Blätter im leichten Wind tanzen. Wie schön, denke ich. Und schon wächst ein zartes Gefühl von Vertrautheit mit dieser Stadt, in der ich mich zunächst wie ein Fremdling fühlte.

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