Bei Regenwetter waren wir im alten Steinbruch auf dem Bückeberg bei Obernkirchen. Wieder einmal bedauerte ich, dass dort seit ein paar Jahren erneut Steine abgebaut werden und ein kleines Paradies zerstört wurde, in dem Heidekraut, junge Birken und Pilze wuchsen. An einem geschützten Platz sitzend, erzählte mir der Steinbruch folgende Geschichte:
„Unsere Steine wurden abgebaut und als Bremer Sandstein in alle Welt verschifft. In den Steinen sind Informationen aus anderen Welten gespeichert, die dazu beigetragen haben, die Technisierung in Gang zu setzen. Das war vor Jahrhunderten eine notwendige Entwicklung. Jetzt ist diese Periode an einen Punkt gelangt, wo sie ins Negative umschlägt, und der Abbau sollte gestoppt werden.
Die Erde ist aus dem Erdzeitalter ins Luftzeitalter übergegangen. Ihr nennt es auch Wassermannzeitalter. Diese neuen Energien, die Kräfte des Planeten Uranus, müssen genutzt werden, um Materie und Spiritualität miteinander zu verbinden.
Luftzeitalter bedeutet nicht, dass ihr jetzt abheben könnt. Im Gegenteil, erdet euch richtig, nehmt Verbindung mit der lebendigen Erde auf, ganz real, handfest, nicht nur im Kopf. Die Erde lehrt euch Spiritualität, wenn ihr auf sie hört. Nutzt die geistigen Kräfte von Uranus, die Fähigkeit zur Kommunikation, um mit ihr ins Gespräch zu kommen.“
Für mich war eine Visionssuche in der Wildnis ein entscheidender Auslöser, um mit der Erde ins Gespräch zu kommen. Ein paar Tage allein im Wald – und plötzlich öffnen sich die Sinne für die Sprache der Bäume, Steine, Ameisen und Wolken.
Visionssuche
Alternative Projekte 3: Sylvia Wollwert und Healing Nature
Als junge Frau Mitte zwanzig war Sylvia Wollwert 1991 auf Visionssuche bei Sun Bear, einem indianischen Lehrer vom Bear Tribe. Visionssuche, das bedeutete vier Tage und Nächte allein im Wald zu verbringen, in einem Streichholzfichtenwald im Wendland, erzählt sie. Für Sylvia war diese Zeit eine entscheidende Erfahrung, um eine tiefe Verbindung zur Natur und zu ihrer eigenen Kraft herzustellen. Sie begann, neben ihrer Tätigkeit beim Fernsehen eine Ausbildung bei Sun Bear und den Lehrer/innen des Bear Tribe, um selber Menschen auf diesem Weg zu begleiten.
Zehn Jahre später, auf einer Weiterbildung, einem Training für Visionssucheleiter/innen bei Meredith Little und Steven Foster in Big Pine, Kalifornien, bekräftigte sie ihren Entschluss, ihrer Berufung zu folgen und sich ganz auf die Arbeit mit Menschen in der Natur zu konzentrieren. Sie wohnte zu dem Zeitpunkt noch in Berlin und bat um klare Zeichen, wie und wo sie sich selbstständig machen könnte. Die Zeichen kamen, und schon ein paar Monate später zog Sylvia Wollwert in den Landkreis Schaumburg.
Hier gründete sie im Mai 2002 den Verein „Healing Nature“. Die ersten Seminare waren sofort ausgebucht, Visionssuchen in ganz Deutschland und Italien fanden statt, eine gute Bestätigung für ihr Vorhaben. „Und dann wurde es schwierig, es meldeten sich weniger Leute für meine Seminare an“, berichtet die Seminarleiterin. „Es war, als ob mir die Frage gestellt wurde, ob ich wirklich diese Arbeit machen will.“ Und sie wollte! Sie zog nicht die Konsequenz, dass ihr Projekt nicht richtig ist, sondern sagte sich, wenn es sein muss, gehe ich putzen, aber ich mache weiter.
Eine Wende trat mit einer weiteren eigenen Visionssuche ein. Ihr Vertrauen ins Leben wuchs, Zweifel schwanden und sie stellte fest, dass für alles, was sie wirklich brauchte, das Geld vorhanden war. Auf die Frage nach besonderen Höhepunkten und Erfolgen ihrer Arbeit, fallen Sylvia zuerst die Kinderprogramme ein. Zahlreiche Kinder und Jugendliche hat sie an die Natur heranführen können und mit „Firenight“ und „Wilde Kinder“ berührt. Auch die Ausbildung „Ritualgestützte Naturprozessbegleitung“ ist ein Highlight ihres Veranstaltungsprogramms, das neben Visionssuchen auch Schwitzhütten, Medizinradarbeit, Medicinewalks und individuelle Prozessbegleitung enthält.
Sylvia beim Smudgen (Räuchern)
Sylvia Wollwert sieht ihre Tätigkeit, die Sensibilisierung von Menschen für die Natur und ihre eigene Natur als Teil eines großen Wandels, der notwendig ist, um den Herausforderungen unserer Zeit wie dem Klimawandel begegnen zu können. Ihr größter Wunsch ist es, im Landkreis ein Waldstück, vielleicht mit einem Bauwagen oder Häuschen, zu finden, wo sie die Teilnehmer/innen ihrer Seminare ungestört an die Begegnung mit der Natur heranführen kann.